Die Süntelbuche – Eine mystische Baumart

| Projektförderung

Die Süntelbuche , Fagus sylvatica var. Suentelensis Schelle ist eine seltene Varietät der Rotbuche (Fagus sylvatica).

Süntelbuchen beeindrucken durch ihre verdrehten, verkrüppelten, miteinander verwachsenen Äste und ihre sehr kurzen, drehwüchsigen Stämme. Sie wachsen mehr in die Breite als in die Höhe. Dabei erreichen sie nur selten eine Höhe von 15 Metern. Mit ihren herabhängenden Zweigen bilden die Süntelbuchen zeltähnliche, halbkugel- und pilzförmige Kronen aus. Die Wuchsform ist erblich, ihre Entstehung aber noch ungeklärt.

Volkstümliche Namen sind: Krause Buche, Krüppel-Buche, Schirm-Buche, Schlangen-Buche oder Renk-Buche. Früher bezeichnete man sie als HEXENHOLZ oder TEUFELSBUCHE.

Im Süntel, einem kleinen Höhenzug nördlich von Hameln in Niedersachsen, gab es Mitte des 19. Jahrhunderts den größten Süntelbuchenwald Europas. Im Zuge der Verkopplung wurde 1843 die gesamte Fläche, bis 245 m hohe WESTEREGGE zwischen Hülsede und Raden, gerodet. Damals sank die Anzahl der Süntelbuchen in Deutschland von einigen Tausend auf unter einhundert. Nur an etwa 50 Standorten stehen heute noch einzelne alte Exemplare oder kleinere Baumgruppen. Sie wurden in den letzten Jahrzehnten durch zahlreiche Neupflanzungen ergänzt.

Die größten Süntelbuchen Deutschlands stehen in Gremsheim am Heber bei Bad Gandersheim (Naturdenkmal „Kopfbuche“), im Berggarten Hannover und in Lauenau am Deister. In Bad Nenndorf am Deister gibt es eine Süntelbuchenallee aus annähernd 100 Stämmen, wovon zwei Drittel aus Wurzelbrut entstanden sind.

Kleinere Gruppen älterer Süntelbuchen existieren in Frankreich („ Hetre tortillard“), in Dänemark („Vrange böge“) und Schweden („Vresboken“).

Im Wald von Verzy, 25 km südöstlich von Reims (Frankreich) befand sich, nach einer Zählung von 1998, ein großer Bestand von mehr als 800 Süntelbuchen. Deren Anzahl wurde zwischenzeitlich etwas reduziert.

Die Ortsgruppe Bad Münder des Heimatbundes Niedersachsen e.V. legte etwa 1990 oberhalb der Ortschaften Nettelrede und Luttringhausen ein rund 11.000 qm großes Süntelbuchen-Reservat an.

Das zunächst gepachtete Grundstück wurde am 27. September 2010 von der Ortsgruppe Bad Münder für den neuen Eigentümer Heimatbund Niedersachsen e.V. angekauft. In dem Reservat können junge Süntelbuchen geschützt aufwachsen. Das nachhaltige Naturschutzprojekt dient ausschließlich der Erhaltung und Vermehrung dieser seltenen Baumart. In dem geschlossenen Bestand von Süntelbuchen ist eine für die Vermehrung wichtige hohe genetische Vielfalt gegeben. Zudem wird durch die abgeschiedene Lage des Reservates inmitten der Feldmark eine genetische Vermischung mit den Rotbuchen in Deister und Süntel vermieden.

Das Reservat wurde mit einen Theodoliten vermessen. Dabei war es möglich, den Standort jeder Buche genau zu erfassen und die Einzelbäume zu nummerieren. Der Vermessungsplan wurde zur Grundlage der Pflegearbeiten und der wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Rahmen einer Diplomarbeit werden der Buchenbestand sowie die Eigenarten der Bäume und ihre Vitalität erfasst. Außerdem werden erste Ziele für einen Entwicklungs- und Pflegeplan festgelegt.

Für die fortgesetzte Pflege, eventuelle Nachbesserungsmaßnahmen, Unterhaltung des Wildschutzzaunes u.a.m. werden Fördergelder beansprucht.

In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Forstamt Saupark in Springe sind weitere Maßnahmen zur Erhaltung und Sicherung des Süntelbuchen-Vorkommens geplant.

Professor Michael Rode von Institut für Umweltplanung der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover dient als Ansprechpartner für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes.

Das Alter von Süntelbuchen wird wegen ihres knorrigen Wuchses oft überschätzt. Die durchschnittliche Altersgrenze liegt bei 120 bis 160 Jahren. Der waagerechte, statisch ungünstige Wuchs scheint das Auseinanderbrechen alter morscher Bäume zu beschleunigen., so dass 300 Jahre nicht erreicht werden. Sicher bekannt waren nur die hohen Alter der TILLY-BUCHE bei Raden im Auetal (255 Jahre ) und der SÜNTEL-BUCHE im Schlosspark von Haus Weimar in Bochum (270 Jahre).

Wie die Vielfalt der Wuchsformen schon erahnen ließ, bestätigen die bisherigen Untersuchungen eine Vielfältigkeit und Uneinheitlichkeit auch in der genetischen Ausstattung der Süntelbuchen.

Als GEHEIMNIS DER SÜNTELBUCHE gilt die bisher ungeklärte Ursache ihres seltsamen Wuchses. Für die Wuchsform wurden die Bodenbeschaffenheit, Bodeninhaltsstoffe, radioaktives Grundwasser, das Klima, strahlende Meteore, Form und Stellung der Knospen, unterirdische Hohlräume mit Luftströmungen und Erdstrahlen verantwortlich gemacht.

Auch vorübergehender Wasserentzug bei Jungpflanzen wurde als Erklärung für den Krüppelwuchs in Erwägung gezogen, doch beweisen ließen sich diese Spekulationen nicht.

Biologisch unterscheidet sich die Süntelbuche kaum von der normalen Rotbuche. So können sich beide gegenseitig befruchten, was die Süntelbuche bei Waldbesitzern unbeliebt macht, die gerade gewachsenes Holz produzieren wollen.

Süntelbuchen sind Fremdbestäuber, d. h. eine Selbstbefruchtung der einhäusigen Bäume ist nicht möglich. Sie müssen von einem anderen Baum, ob normale Rotbuche oder Süntelbuche, befruchtet werden.

Aus den Eckern von Süntelbuchen, die immer auch von normalen Rotbuchen bestäubt werden, da deren Pollen sich überall in der Luft befinden, entstehen dann normale Rotbuchen, Süntelbuchen und Mischformen in unterschiedlicher Zahl und ohne scharfe Abgrenzung zueinander. In der Literatur schwanken die Angaben von 10 bis über 70 Prozent krummwüchsiger Sämlinge.

Erst nach 5 bis 10 Jahren kann man deutlich erkennen, ob eine Jungpflanze eine „richtige“ Süntelbuche wird. Deshalb sind solche Sämlinge nur selten im Handel zu bekommen. Pfropflinge werden dagegen immer häufiger angeboten. So erfolgten die Neupflanzungen der letzten Jahrzehnte hauptsächlich mit veredelten, d. h. gepfropften Buchen.

Zusätzlich pflanzen sich Süntelbuchen, sogar recht häufig, durch Absenkerbildung und Wurzelbrut fort. Dabei bewurzeln sich auf der Erde aufliegende Äste bzw. bringen oberflächlich wachsende Wurzeln neue Triebe hervor.

Das drehwüchsige und gebogene Holz der Süntelbuche entzieht sich jeder wirtschaftlichen Nutzung. Es lässt sich wegen des Drehwuchses nur sehr schwer in Faserrichtung mit Axt oder Säge spalten und wegen der Krummwüchsigkeit nur schlecht stapeln, so dass es selbst als Kaminholz ungeeignet ist. Der Wert der Süntelbuche liegt allein in ihrer Bedeutung als Zierbaum in Parks, Gärten und öffentlichen Anlagen!

In „Pfeils Kritischen Blättern“ für Forst- und Jagdwissenschaft, 19. Band, I. Heft, Seite 223, aus dem Jahre 1844 berichtet Oberförster Tilemann aus Eschede zum ersten Mal „über den abnormen Wuchs der Buche in den Hülseder Gemeinde-Forsten, Amt Liebenau im Königreich Hannover“.

„An diesem Berge, sowohl auf der Höhe, als an den Abhängen desselben, befindet sich auf einer Fläche von etwa 600 Morgen ein 100-150 jähriger Buchenbestand, in welchem sämtliche Stämme einen so äußerst merkwürdigen Wuchs haben, dass es der Mühe wert ist, denselben zu beschreiben; denn es möchte wohl wenige Forstmänner geben, welche einen ähnlichen Wuchs der Buche auf einer so bedeutenden Fläche zu sehen Gelegenheit haben.

Sämtliche Stämme sind mehr oder minder so krumm gewachsen, dass aus der ganzen Bestandesmasse, nach meiner Ansicht, nicht 1 Stück gerades Holz in 4-füßigen Scheitlängen gespalten werden kannn und haben eine Kronenausbildung, welche der Traueresche ähnlich ist. Es ist nicht möglich, eine getreue Beschreibung dieses merkwürdigen Baumwuchses ohne Zeichnungen zu geben“

Als Tilemann seinen 1842 verfassten Bericht mit vier Zeichnungen 1844 veröffentlichte, war der letzte Süntelbuchenwald bei Hülsede bereits gerodet!

Der Stiftungsrat und Vorstand der „Stiftung Wald, Wild und Flur in Europa“ des Ordens DER SILBERNE BRUCH hat dies zum Anlass genommen, um die vorbildliche, zukunftsweisende Arbeit der Ortsgruppe Bad Münder des Heimatbundes Niedersachsen e.V. bei der Erhaltung und Pflege des Süntelbuchenvorkommens mit einem Betrag von 1.000,00 Euro im Jahre 2014 zu fördern.

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Informationen zum Projekt

Empfänger:

Ortsgruppe Bad Münder des Heimatbundes Niedersachsen e.V.
Zu deren Webseite

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