„Hegegemeinschaft Almeäsche“: Renaturierung der Alme und das Artenschutzprojekt für die Äsche bei Büren in Ostwestfalen

Das „Bürener Land“ bei Paderborn ist geprägt durch die malerischen Flusstäler der Alme und der Afte. Die Alme, einzige Karstfluss Nordrhein-Westfalens, ist ein ca. 60 km langer südlicher Zufluss der Lippe. Auch die Alme wurde von Flussbegradigungen und Ausbaumaßnahmen nicht verschont. Im Rahmen vieler Projekte soll das Gewässer wieder in einen natürlichen und guten ökologischen Zustand überführt werden.

Die Äsche ist eine im Bestand bedrohten Fischart, die zur Familie der Lachsfische gehört und eine Länge von 60 cm und ein Gewicht von 3 kg  erreichen kann. Während im Fischartenkataster des Landes NRW 1990 die Äsche als weit verbreitete Art noch als ungefährdet eingestuft wurde, ist sie heute eine landesweit gefährdete Fischart und steht auf der Roten Liste des Landes NRW. In Bayern wird sie sogar als stark gefährdete Art in der Roten Liste aufgeführt. Als FFH-Art  genießt sie zudem einen besonderen Schutzstatus.

Aufgrund fehlender Durchgängigkeit, Wasserkraftnutzung, Stauanlagen, Technischem Gewässerausbau, fehlender naturnah strukturierter Gewässer, intensiver Landwirtschaft und hoher Sediment- und Schadstoffeinträge, lokaler Verschmutzung der Kiesbänke sowie durch  die seit 1990 rasante Zunahme der Kormoranbestände in NRW sind dramatische Rückgänge im Äschenbestand zu verzeichnen, wodurch die Art in ihrem Bestand stark bedroht ist.

 

Alle vorgenannten Faktoren führten auch in der Alme zu einer eklatanten Abnahme der früher sehr starken Äschenbestände. Die heimischen Bestände sollen daher durch Besatzmaßnahmen gestützt werden.

Die „Hegegemeinschaft  Almeäsche“ wurde 2014 von den Angelfreunden Almetal Büren 1974 e.V. ins Leben gerufen. Sie umfasst heute 41 Mitglieder: es sind dies die Fischereivereine an Alme, Afte, Altenau, Lippe, Heder und Pader, die Fischereigenossenschaften, die anliegenden Städte Büren, Salzkotten, Bad Wünnenberg und Borchen, der Kreis Paderborn, die Bezirksregierung Detmold (Obere Fischereibehörde) sowie der Wasserverband Obere Lippe.

Die Hegegemeinschaft betreut insgesamt eine Gewässerstrecke von rd.160 km Länge. Zweck der "Hegegemeinschaft Almeäsche“ ist die Nachzucht der Äsche und der Aussatz von Jungfischen, um eine nachhaltige Verbesserung der Bestandssituation dieser gefährdeten Fischart in den vorgenannten Gewässern zu erzielen.

Zusammen mit der Stadt Paderborn renaturiert der Wasserverband Obere Lippe derzeit die Alme bei Ringelstein auf einer Länge von 500 Metern. Anhand von historischem Kartenmaterial aus dem Jahr 1836 werden das ursprüngliche Flussbett und das Ufer wiederhergestellt. Durch diese Maßnahmen soll neben der Entwicklung von wertvollem Lebensraum für die heimische Tier- und Pflanzenwelt auch der Hochwasserschutz gestärkt werden. Die letzten größeren Veränderungen des einzigen Karstflusses Nordrhein-Westfalens liegen etwa 60 Jahre zurück. Nach dem verheerenden Hochwasser von 1965 wurden vielerorts Bäche und Flüsse begradigt – auch die Alme.

 

Mit der Renaturierung werden diese Fehler beseitigt. Statt einem geraden Verlauf zu folgen, windet sich die Alme jetzt wieder durch die Auelandschaft. Durch geringe Einschnittstiefen und das Absenken der Bereiche um die Alme wird ein regelmäßiges Überfluten gefördert. Gleichzeitig entstehen so die für diesen Fluss charakteristischen Buchten, an denen nun insbesondere den Fischen wieder zahlreiche Laichplätze zur Verfügung stehen werden.

 

In der  der Praxis geschieht die  Äschenaufzucht an der Teichanlage Ringelstein Hier (und an drei weiteren Orten) wird ein eigener Laichfischbestand der genetisch unverfälschten Almeäsche etabliert.

Das geschah/geschieht

  • durch den Fang von Laichäschen in der Alme und künstliche Vermehrung der Äschen durch die ausgebildeten Experten (Fischwirte)  des Ruhrverbandes am Möhnesee zum langfristigen Aufbau eines eigenen Zuchtstammes,
  • zurücksetzen der Laichfische in ihre Herkunftsgewässer,
  • weitere Aufzucht der Jungfische in Teichen der Angelfreunde Almetal, am Möhnesee und in Bestwig (zur Risikostreuung),
  • erstmaligen Aussatz von Jungfischen im Jahr 2014,
  • Aufbau eines eigenen Zuchtstammes der „Almeäsche“ in Ringelstein und 2015/16  erstmaliges Abstreifen der Laichäschen des Zuchtstammes,
  • aussetzen von bisher ca. 60.000 Jungäschen im Einzugsgebiet gezielt an vorher ausgesuchten geeigneten Stellen.

Umfangreichenden  Arbeiten fallen für die ehrenamtlichen Mitglieder der „Hegegemeinschaft Almeäsche“ an:

 

  • Koordination der jährlichen Elektro(kontroll)befischungen,
  • tägliche dreimalige Kontrolle der Teichanlage in Büren-Ringelstein

(Wasserzulauf kontrollieren, Siebe am Zu- und Ablauf putzen, Fische füttern, auf den Gesundheitszustand achten, tote Fische absammeln, Abdecknetze überprüfen),

  • Teiche warten und ggfs. sanieren (Dämme, Mönche, Wege, Abdeckungen)
  • Kartierung und Pflege von Kiesbänken als potentielle Laichgebiete in Alme, Afte, Altenau, Lippe, Heder und Pader und ihre Ausweisung und Kontrolle als Schonstrecke
  • Gewässerreinigung durch die Beseitigung von Müll und Unrat
  • Verhandlungen mit Landwirten sowie der Landwirtschaftskammer um den massiven Eintrag von Gülle zu reduzieren
  • Freiwillige Schonung der Äschenbestände sowie die Kontrolle durch die Fischereiaufseher.

 

Das beeindruckende Projekt wird auch in Zukunft weitergeführt, bis die natürliche Reproduktion  der Äsche in den Gewässern im Bereich der Oberen Lippe wieder gewährleistet ist. Biotoppflege und Fischhege gehen hier ideal zusammen. Es wäre zu wünschen, wenn endlich auch ein wirksames Kontrollmanagement für den Kormoran eingeführt wird, um die Äsche auch gegen den Prädatorendruck abzusichern.

 

Die Stiftung „Wald, Wild und Flur in Europa“ förderte das Projekte der „Hegegemeinschaft Almeäsche“ mit 1000 €.

Ulrich Prill

www.angelfreunde-almetal.de

www.fischereiverband-nrw.de