Stiftungspreis - Verdienste um die Förderung weidgerechter Jagd

Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V. für seine langjährigen Verdienste um die Förderung weidgerechter Jagd als Standesvertretung der Berufsjäger und eine zukunftsweisende Initiative für eine ergänzende Ausbildung der Berufsjäger zur übergreifenden Beratung in den Revieren.

Auf dem Konvent 2017 des Stifters in Bad Berleburg erhielt der Bundesverband Deutscher Berufsjäger den 19. Stiftungspreis.

 

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger (BDB) ist die Standesvertretung der ca.1000 in Deutschland tätigen Berufsjägerinnen und Berufsjäger. Der BDB setzt sich intensiv für weid- und tierschutzgerechtes Jagens und die Pflege der bürgerlichen Jagdkultur ein. Der Verband stellt sich erfolgreich den Herausforderungen der Gesellschaft und der Politik an die Jagd und den damit verbundenen neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Jäger. Er wirkt mit an neuen Konzepten einer zukunftsorientierten Ausbildung zum Revierjäger. Der BDB fördert zukunftsweisende Initiativen für den Einsatz von Berufsjägern zur Unterstützung von Hegegemeinschaften bei ihren vielfältigen Aufgaben. Damit leistet der BDB einen unverzichtbaren Dienst für die weidgerechte Jagd und die Jägerschaft in Deutschland.

 

Der Preis wurde vom Vorsitzenden des BDB, Wildmeister Bernd Bahr, entgegen genommen. Das Preisgeld von € 5000 wird der BDB für innovative Konzepte zur ergänzenden Ausbildung von Revierjägern zur Beratung der Hegegemeinschaften und zur Weiterentwicklung seiner Idee von Wildtier-Kompetenz-Zentren verwenden.

 

 

Die Laudatio hielt OB Karl-Gunter v. Kajdacsy, 53359 Rheinbach:

 

Es ist nicht mehr durchgehend selbstverständlich, dass die Jagd in unserer Gesellschaft akzeptiert wird.

In Deutschland schreitet die Urbanisierung voran und damit auch die Naturferne der Gesellschaft. Gleichzeitig ist die Gesellschaft geprägt von einem romantischen Naturverständnis. Tier- und Naturschutz gewinnen auch in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Natur- und Umweltschutzverbände sind vielfach eher jagdfeindlich eingestellt. Behördliche Auflagen in Jagdgesetzen und Verordnungen schränken einerseits gute Jagdpraxis drastisch ein. Andererseits werden Hegegemeinschaften amtliche Aufgaben im Jagdbetrieb übertragen.

In dieser Gemengelage werden die fachliche Kompetenz der Jäger/innen und die großräumige Bewirtschaftung der Jagdflächen von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Jagd in Deutschland sein.

 

Eine ganz besondere Rolle in der jagdfachlichen Arbeit werden die Berufsjäger/innen zu spielen haben, denn gerade ihnen werden sich für Jagd und Hege neue Aufgaben und Herausforderungen stellen.

 

Der Bundesverband Deutscher Berufsjäger e.V.

Die Mehrheit der ca. eintausend in Deutschland tätigen Berufsjäger/innen ist im Bundesverband Deutscher Berufsjäger organisiert.

Der BDB ist die berufsständische Säule der deutschen Jägerschaft und u.a. verantwortlich für die Ausbildung der Revierjäger/innen.

Berufsjäger/innen arbeiten in privaten, kommunalen oder staatlichen Jagd- und Forstverwaltungen, in Hegegemeinschaften, in Schutzgebieten, bei Verbänden sowie in der jagdlichen Aus- und Weiterbildung der Jägerschaft.

 

Der BDB in seinem Selbstverständnis

  • steht für die nachhaltige Nutzung und den Schutz des Wildes,
  • vertritt die Interessen einer professionellen und zukunftsfähigen Jagd in Staat und Gesellschaft,
  • strebt danach, die traditionelle Jagd durch ein Höchstmaß an Professionalität nicht nur zu erhalten, sondern weiter zu entwickeln und somit zukunftsfähig zu machen,
  • sichert und fördert die Lebensgrundlagen der freilebenden Tiere sowie die Belange des Natur- und Tierschutzes,
  • setzt die Erkenntnisse des Jagdwesens und der Jagdwissenschaft in die Jagdpraxis um,
  • pflegt die Jagdethik und das jagdliche Brauchtum.

 

Die Ausbildung zum Revierjäger

Die Ausbildung zum Revierjäger dauert drei Jahre.

Sie erfolgt im Wechsel zwischen berufsfachschulischer Ausbildung und praktischer Ausbildung in derzeit 73 staatlich anerkannten Ausbildungsbetrieben.

 

Ich möchte an zwei Initiativen aufzeigen, wie der BDB seine angehenden Revierjäger/innen auf zukünftige Aufgaben vorbereitet, nämlich am «Modellprojekt Verbundausbildung» und am Projekt «Beratender Berufsjäger NRW».

 

Modellprojekt Verbundausbildung

Aktuell wird ein Modell-Ausbildungsplatz für einen künftigen Revierjäger im Rahmen eines Ausbildungsverbundes mehrerer Betriebe (Verbundausbildung) an der Geschäftsstelle des BDB in Dorsten/NRW in enger Verbindung mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) geschaffen.

Drei Ausbildungsbetriebe mit unterschiedlichen Schwerpunkten bereiten den künftigen Revierjäger neben der jagdpraktischen Ausbildung auf die neuen Herausforderungen vor.

 

In der Betriebsstätte Dorsten am Nordrand des Ruhrgebietes liegt der Schwerpunkt auf den besonderen Tätigkeiten einer Geschäftsstelle, insbesondere bei Planung und Organisation der Zusammenarbeit mit anerkannten Natur- und Tierschutzverbänden, Regional- und Zweckverbänden, Behörden und anderen Kooperationspartnern sowie der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Die Betriebsstätte Davert Hochwildring e.V. südwestlich von Münster kann u.a. auf eine Hegegemeinschaft mit 57 Revieren und eine Fläche von 15000 ha zurückgreifen. Diese Ausbildungsstelle ist insbesondere eingebunden in das Projekt „Beratender Berufsjäger NRW“. Das Projekt zielt darauf ab, Hegegemeinschaften im Land NRW jagdpraktisch zu beraten und neue Revierzusammenschlüsse zu fördern.

 

Die Betriebsstätte Hontheim liegt in der Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Hier können insbesondere die Aufgaben von Hegegemeinschaften als Körperschaften öffentlichen Rechts vermittelt werden. Diese Aufgaben reichen von der Bestandsschätzung, Abschussplanung und –kontrolle über die Erarbeitung von jagdbezirksübergreifenden Bejagungs- und Lebensraumkonzepten bis hin zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Jagdausübungsberechtigten, Jagdgenossenschaften sowie Jagd-, Forst- und sonstigen Fachbehörden.

 

Mit diesem Ausbildungsansatz ist der BDB ist auf bestem Wege, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und die Ausbildung zum Revierjäger in Beratungs- und Leitungsfunktionen zukunftsorientiert zu gestalten.

 

Projekt «Beratender Berufsjäger NRW»

Neben diesem Modellprojekt Verbundausbildung fördert der BDB das bereits laufende Projekt „Beratender Berufsjäger NRW“.

Mit diesem Projekt wird ein Weg beschritten, die Professionalität und die Kompetenz von Berufsjägern in die wichtige Arbeit der Hegegemeinschaften landesweit einzubringen, und die enge Verbindung zur ehrenamtlichen Jägerschaft, zu den Behörden, aber auch zum Naturschutz zu fördern.

Die vorbildlich funktionierende Hegegemeinschaft „Davert Hochwildring e.V.“ wird seit langem von Berufsjägern geleitet. Deren Erfahrungen werden dafür genutzt, Revierinhabern, Hegegemeinschaften und Kreisjägerschaften usw. in NRW fachkundige Beratung und Unterstützung anzubieten.

Beispielsweise hat die Hegegemeinschaft «Damwildring Kottenforst» jüngst Beratung vom Beratenden Berufsjäger Peter Markett angefordert.

Es ist absehbar, dass der Beratungs-, aber auch der Leitungsbedarf der Hegegemeinschaften zunehmen wird, beispielsweise auch in Rheinland-Pfalz.

Dort wurden durch Pflichtmitgliedschaft Hegegemeinschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts für die Bewirtschaftung von Rotwild, Damwild und Muffelwild gebildet.

Die Landesjagdverordnung sieht vor, dass die Hegegemeinschaften einen Geschäftsführer einstellen können. Diese Personen sollten die Ausbildung zum Revierjäger erfolgreich abgeschlossen haben oder über eine entsprechende Befähigung für den Zugang zum Forstdienst verfügen.

Da die Bildung von Hegegemeinschaften zukünftig auch in anderen Bundesländern vermehrt stattfinden wird, sieht der BDB an diesem Punkt eine zukunftsorientierte Aufgabe für Berufsjäger, und er bietet hierzu ein spezielles Ausbildungsprogramm an.

 

Neue Herausforderungen für die Jägerschaft entstehen mit der zunehmenden Urbanisierung der Gesellschaft und der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit.

Wildtiere leben heute nicht mehr nur in Feld und Wald, sie leben mitten unter uns, nämlich im Lebensraum Stadt. Stadtgebiete bieten gerade Wildtieren – angefangen beim Fuchs über Marder, Waschbär und Gans bis hin zu Nutria, Biber und Wildschwein - ein hohes Maß an Nahrung und Deckung.

Zunehmend kommt es zu Spannungen zwischen Mensch und Wildtier. Allgemeine Besorgnis, wirtschaftliche Schäden, Ärgernisse durch Verkotung oder Krankheiten, die auch auf den Menschen übertragen werden können, skizzieren das Konfliktpotenzial.

Der BDB hat eine Nachdenkens werte Idee für ein regionales Wildtier-Management und entsprechende Konfliktlösungen erarbeitet.

 

Ein Wildtier-Kompetenzzentrum, modellhaft eingerichtet auf regionaler Ebene, könnte die Beratungs-, Schnitt-, Vermittlungs- und Anlaufstelle sein, wenn es um die Belange von Wildtieren und deren Lebensräume geht, und zwar

  • für Bürger,
  • für Behörden (Gemeinde, Landkreis, Ordnungsamt/Untere Jagdbehörde, Veterinärbehörde,  Bauamt,   Polizei, Straßenmeisterei etc.)
  • für Institutionen (Grundeigentümer, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei, Tourismus etc.) und auch
  • für Verbände, wie regionale Natur- und Tierschutzorganisationen, Jagdverbände, Hegegemeinschaften, Jagdgenossenschaften etc.

 

Die Idee eines Wildtier-Kompetenzzentrums zielt in die richtige Richtung, bedarf aber zur Realisierung erheblicher gesellschaftlicher und politischer Anstrengungen sowie interessenübergreifender Unterstützung. 

 

Zusammenfassung:

Der BDB setzt sich intensiv für die Erhaltung des weid- und tierschutzgerechten Jagens und für die Pflege der bürgerlichen Jagdkultur ein.

Der Verband stellt sich erfolgreich den Herausforderungen durch sich wandelnde Einstellungen der Gesellschaft zur Jagd und durch neue rechtliche Rahmenbedingungen für die Jägerschaft. Er wirkt mit an neuen Konzepten einer zukunftsorientierten Ausbildung zum Revierjäger.

Der BDB fördert zukunftsweisende Initiativen für den Einsatz von Berufsjägern zur Unterstützung von Hegegemeinschaften bei ihren vielfältigen Aufgaben.

Damit leistet der BDB in seiner knapp einhundertjährigen, wechselvollen Geschichte einen unverzichtbaren Dienst für die weidgerechte Jagd und die deutsche Jägerschaft insgesamt.

Das Preisgeld möge vornehmlich der Förderung innovativer Konzepte zur ergänzenden Ausbildung von Revierjägern für einen Einsatz zur Beratung der Hegegemeinschaften und der Weiterentwicklung der Idee von Wildtier-Kompetenzzentren dienen.“

 

Ulrich Prill

 

www.berufsjaegerverband.de